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Eine bewegende Weihnachtsgeschichte

Mit dieser Erzählung wünsche ich allen meinen Lesern, Freunden, Verwandten und Bekannten ein fröhliches und besinnliches Weihnachtsfest!

Die Erzählung stammt vom Vater von Ranya und die Fakten wurden von einem Rabbi in Brooklyn bestätigt.

Ranya ist ein 12 jähriges Kind mit einer körperlichen Behinderung. Aufgrund seiner Eingeschränktheit, war es ihm nie möglich mit den anderen Kindern seines Alters zu spielen. Während die anderen Kids Rad fuhren, Basketball spielten, rumtollten, machten, was Kinder so machen, war Ranya immer auf die Unterstützung seiner Eltern angewiesen.

Die anderen Kinder in der Nachbarschaft kannten Ranya vom Sehen, mehr nicht. Sie hänselten ihn nicht, aber sie haben auch nicht mehr gemacht, als woanders hinzuschauen, wenn sie ihn sahen.

Eines Tages lief Ranya mit seinem Vater an einem öffentlichen Baseballfeld vorbei. Die Kids aus der Nachbarschaft spielten ausgelassen, überall gab es Gejohle, Geschreie, Jubel und den üblichen Krach.

Im Vorbeilaufen sah Ranya zu den Jungs und fragte seinen Vater: „Glaubst Du, das sie mich mitspielen lassen würden?“

Der Vater war geschockt. Einer dieser Momente, vor denen er immer Angst hatte. Er müsste seinem geliebten Sohn eigentlich diesen Moment der Niederlage, des Ausgelacht- und Abgelehnt-werdens ersparen. Er müsste Ranya davon überzeugen, dass das keine gute Idee ist und irgendwie eine Möglichkeit finden, es so zu verpacken, dass Ranya es nicht „persönlich“ nehmen würde. Was natürlich Quatsch ist, denn er würde es persönlich nehmen, so oder so.

Da hörte der Vater plötzlich seine innere Stimme, die ihn fragte, wer für seinen Sohn einstehen soll im Leben, wenn nicht er? Wer sollte seinem Sohn zeigen, dass man es wenigstens versuchen muss, wenn nicht sein eigener Vater? Welche Chance hat sein Sohn zu lernen, dass man den Mut aufbringen muss etwas zu versuchen, wenn nicht die Person, die ihm am nächsten Stand?

Also gingen sie rüber auf die andere Straßenseite und der Vater fragte vorsichtig, hoffend, dass sie beide nicht einfach ausgelacht werden würden, ob es den Jungs was ausmachen würde, Ranya ein Runde mitspielen zu lassen.

Die Reaktion begann wie erwartet: Fragende, verwirrte Blicke der Kids untereinander. Keiner fing sofort an zu lachen, aber ihre Blicke sprachen eine deutliche Sprache. Was sollen sie mit Ranya anfangen? Er kann weder den Ball treffen, noch vernünftig rennen? Was soll das bringen?

Das Herz des Vaters fiel in ein tiefes, schwarzes Loch, alle Ängste wurden real. Warum hatte er das nur zugelassen … als er plötzlich einen der Jungs sagen hörte: „Warum nicht, lasst es uns mal probieren“.

Ranya konnte es kaum fassen und sein Vater ebenfalls nicht. Ranya strahlte seinen Vater an, weil er nicht wusste, was er nun machen sollte. Noch nie waren sie in solch einer Situation.

Der Jungs sagte. „Komm rüber, setz dich auf die Bank und warte, vor dir sind noch ein paar andere am Abschlag“.

Ranya lief los und setzte sich hin. Er freute sich, aber machte unbeholfen den Versuch nicht aufzufallen – obwohl ihn natürlich alle anschauten. Mehr hatte Ranya sich eigentlich gar nicht erhofft. Er saß auf der Bank, war Teil des Teams.

Das Spiel lief weiter. Langsam entwickelte sich eine Pattsituation. Punktegleichstand und gleich war Ranya dran. Ranya wäre ein sicherer Takeout. Er würde den Ball nicht treffen, würde rausfliegen und das andere Team würde gewinnen. Niemals würden die Kids seines Teams das zulassen, selbst, wenn es in dem Spiel um nichts ging.

Der unausweichliche Monment kam, Ranya war an der Reihe. Aber keiner in seinem Team hielt ihn davon ab. Ganz im Gegenteil, als sie sahen, dass Ranya sich nicht traute aufzustehen, forderten sie ihn auf loszugehen. „Du bist dran Ranya, los.“

Unsicher ging Ranya zum Schlagmahl. Er nahm unbeholfen die Baseballkeule. Man konnte sofort sehen, dass er das Ding völlig falsch hielt. „Das wird nie was“, dachte sein Vater voller Angst und Unbehagen.

Eines der Kids aus dem gegnerischen Team kam Ranya zu Hilfe und korrigierte seine Haltung, schaute dann zum Werfer und signalisierte mit seinen Augen, dass der Werfer einen hohen, langsamen Ball werfen sollte. So, dass Ranya eine Chance hätte ihn zu treffen.

Der Werfer nickte kurz zurück und machte sich bereit.

Der Ball kam langsam und in einem hohen, gut zu kalkulierenden Bogen. Ranya schlug zu und … verfehlte den Ball um zwei Hand breit.

Der Ball wurde zum Werfer zurückgeworfen. Der Werfer, der Ranyas Aufregung sehen konnte, nickte vertrauensvoll in seine Richtung und lächelte. Ranya war nervös, man konnte förmlich sehen, was in ihm vorgeht.

Der zweite Ball kam. Noch langsamer, noch besser zu kalkulieren.

Nur eine Hand breit daneben.

Wenn Ranya den dritten Ball auch nicht treffen würde, wäre er raus, das Spiel entschieden.

Der Werfer nahm den Ball und lupfte ihn so sanft wie irgend möglich in Ranyas Richtung. Ranya holte aus und prügelte nach seinen Möglichkeiten voll drauf.

Er traf den Ball nicht richtig, aber er traf. Der Ball traf den Boden zwei Meter von Ranya, hüpfte nach oben, direkt in Richtung eines Fängers. Ranya stand noch wie angewurzelt am Schlagmahl.

„Lauf Ranya, lauf“ schrie sein Team. Ohne weiter auf den Ball zu schauen, lief er los in Richtung erstes Mahl.

Der Fänger hätte den Ball leicht fangen und zur ersten Base werfen können, lange bevor Ranya dort angekommen wäre. Aber der Fänger hatte verstanden, was der Werfer getan hatte und griff beherzt daneben.

Der Ball rutschte ihm wie zufällig am Handschuh vorbei und hüpfte langsam weiter in Richtung Außenfeld. Der Ball verlor weiter an Geschwindigkeit und ein weiterer Fänger rannte auf den Ball zu.

Ranya kam an der ersten Base an und schaute ganz verdaddert. Nie hätte er mit sowas gerechnet. Sein Team schrie „Weiter, renn weiter“. Ranya wusste nicht, wie ihm geschah und rannte einfach weiter.

Inzwischen hatte der Fänger den Ball. Der Ball würde mit einem gezielten Wurf vor Ranya an der zweiten Base ankommen, Ranya wäre raus.

Er holt aus und wirft einen kraftvollen Ball – ungefähr zwei Meter an dem Fänger auf der zweiten Base vorbei. Der Ball fliegt weit in ins hintere, linke Außenfeld.

Sofort rennen zwei weitere Spieler los, um den Ball zu holen. „Lauf Ranya, lauf“.

Ranya erreicht die zweite Base. „Weiter, lauf weiter“ schrien jetzt alle, Ranyas Team und auch das gegnerische Team. Inzwischen hatte jeder auf dem Spielfeld verstanden, worum es hier ging. Es ging nicht mehr darum, ein Spiel zu gewinnen, es ging um etwas viel größeres.

Ein weiterer Spieler nimmt den Ball auf, der nun so weit weg war vom 3. Mahl, dass nur ein sehr gezielter Wurf mit viel Schwung eine Chance gehabt hätte Ranya aufzuhalten. Man konnte die Spannung fühlen, die Luft knisterte regelrecht.

Der Fänger holte aus und warf den Ball. Genau in die Richtung der dritten Base. Diesen Ball konnte der Fänger an der dritten Base gar nicht verfehlen, selbst, wenn er wollte.

Alle starrten gebannt auf den Weg den Ranya noch vor sich hatte, er hatte es fast geschafft. Der Ball war natürlich viel schneller als Ranya, aber er kam auch von weit hinten. Es war unmöglich, beide Distanzen gleichzeitig im Auge zu behalten. So starrten alle auf Ranya. Sein Team, das gegnerische Team und jeder, der um das Spielfeld herum stand und alle riefen „Lauf“ wild durcheinander.

Ranyas Distanz wurde kleiner und man hatte das Gefühl, dass der Ball jeden Moment ankommen muss. Der Fänger hob die Arme …

und in dem Moment, in dem Ranya mit seinem Fuß die Base berührte, griff der Fänger den Ball.

Ranya, der noch nie Baseball gespielt hatte, legte einen Homerun hin … und nicht nur einen Homerum. Wegen seines Homeruns gewann sein Team.

Beide Teams rannten rüber zu Ranya, gratulierten ihm. Sie hoben ihn auf ihre Schultern und trugen ihn um das Spielfeld. Ranya wurde als Held gefeiert.

Ranyas Augen strahlten, man konnte sehen, wie glücklich er war. Dieser Augenblick wurde zu einem der glücklichsten Augenblicke, dieses Jungen. Auf dem Weg nach Hause hörte er nicht auf voller Begeisterung seinem Vater jede Millisekunde SEINES Spiels zu beschreiben, was in ihm vorging, wie er es erlebt hat, was er gesehen, wie er sich gefühlt hat.

Zuhause erzählte er sofort und ausgiebig seiner Mutter alle Einzelheiten des Erlebten.

Ranya lernte diesen Tag ein ganz neues Niveau an Begeisterung und Enthusiasmus kennen. Eine Erfahrung, die ihn verändern sollte, so wie sie jeden von uns verändern würde und verändert hat.

An diesem Tag schenkten die Kids in Brooklyn Ranya etwas ganz besonderes, etwas, das man mit keinem Geld der Welt kaufen kann. Reicht es für uns vielleicht aus, wenn wir zu Weihnachten unseren Lieben sagen, was sie uns bedeuten? Wenn wir unseren Eltern sagen, dass wir dankbar sind, für das, was sie uns mitgegeben haben? Wenn wir unsere Freunde und Lebensgefährten wissen lassen, wie froh wir sind, dass sie Teil unseres Lebens sind?

 

In diesem Sinne die besten Wünsche für ein frohe Weihnacht, erholsame Feiertage und ein ereignisreiches 2012.

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